In der Waldschule Kassel steht nachhaltige Holzwirtschaft und Kochen auf dem Stundenplan
Was eine ganze Schulklasse nicht schafft, das gelingt einem Pferd mit Leichtigkeit – einen gefällten Baum aus dem Wald zu ziehen. Wer Glück hat, darf in der Waldschule einen ganzen Tag draußen verbringen, am eigenen Leib spüren, was eine Pferdestärke bedeutet und erfahren, warum Rückepferde den Wasserhaushalt des Waldes schonen.
„Es ist gar nicht so exotisch, Holz mit dem Pferd zu rücken“, sagt Lilith Schmidt-Gebhardt, pädagogische Leitung und Vorständin des Schachtelhalm e.V. „Es ist nur unsere Generation, die das nicht mehr tut. Davor gab es immer Zugtiere, und in vielen Ländern gibt es sie heute noch.“ Sie legt besonderen Wert darauf, dass auch Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Schulen diese Erfahrungen machen können.
Schule haben, wo andere Ferien machten
Die Waldschule in Kassel-Wilhelmshöhe liegt in unmittelbarer Nähe zum Habichtswald. Dort, wo früher einmal ein Landschulheim stand, ist heute ein idealer Lernort für Naturerfahrungen im Lebensraum Wald entstanden.
Der Schultag in der Waldschule beginnt ganz am Anfang der Nahrungskette, bei der Energie zum Kochen. Während die einen mit dem Pferd im Einsatz sind, bereiten die anderen das Essen zu. Die Schülerinnen und Schüler lernen, warum Linsen und Bohnen echte Kraftpakete sind und wie man sie zubereitet. Dabei kommt auch die Küchenhexe zum Einsatz. Das ist ein Herd, der mit Brennholz befeuert wird. So wird aus Holz Wärme und aus Wärme ein leckeres Essen für alle.
Der Schachtelhalm e. V. macht lokale Wertschöpfung be-greifbar
Der Schachtelhalm e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die regionale Versorgung mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln zu verbessern. Er spricht bevorzugt Kinder und Jugendliche an und arbeitet im Netzwerk mit anderen Organisationen, etwa dem Ernährungsrat Werra-Meißner, dem BNE-Netzwerk Nordhessen und der Klimabildungslandschaft Kassel und Umland. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es ideale Voraussetzungen, um durch Ausflüge zu den umliegenden Höfen wieder einen Bezug zu den regionalen Lebensmitteln herzustellen.
Mit der Förderung durch SEI Hessen wurde auch die Outdoorküche ausgestattet, zum Beispiel mit einer Plancha, das ist eine Grillplatte, auf der man eine große Menge Burger oder Kartoffelpuffer auf einmal garen kann. Des Weiteren mit einem Minibadeofen, um in kürzester Zeit Wasser zu erhitzen. Auch eine Komposttoilette gehört zu den neuen Errungenschaften.
Die Vorsitzende des Vereins, Lilith Schmidt-Gebhardt, im Interview
Was war für Sie ein schöner Moment oder Erfolg in diesem Projekt?
Mein Lieblings-Stichwort ist die Selbstwirksamkeit; wenn Kinder be-greifen: Wir können einen echten Holzstamm aus dem Wald ziehen! Sie können das zwar nicht allein, aber das Pferd kann es, und sie dürfen das Pferd an den Leinen führen. Parallel dazu machen andere die Erfahrung: Ich kann kochen und der Gemeinschaft gutes Essen servieren. Und am Ende sind sie rechtschaffen müde. In der Schule ist man häufig müde, weil man viel mit dem Kopf arbeitet. Dies hier ist eine Arbeit, bei der Kinder auch körperlich gefordert werden und der gesunde Menschenverstand gefragt ist.
Wenn jemand dieses Projekt nachmachen will, welche Erfahrungen oder Tipps können Sie weitergeben?
Nur Profis ins Boot holen! Dies ist ein Niveau, das man sich nicht anlesen oder mit jemanden umsetzen kann, der irgendein Pferd im Stall stehen hat. Ich arbeite deswegen mit einem Forstwirtschaftsmeister zusammen und bin mit der Interessensgemeinschaft Zugpferde vernetzt.
Was ist Ihre Motivation oder vielleicht auch ihr Erfolgsgeheimnis?
Ich bin überzeugt von der Handlungspädagogik. Es sollte noch viel mehr Praxisbezug in den Schulen geben; außerschulische Lernorte und Werkstätten, besser noch beides.
Wenn viele Menschen diese Idee umsetzen würden, wie sähe die Welt dann aus? Und was bräuchte es dafür?
Wenn wir diese Form des Lernens vermehrt anbieten könnten, wären die Menschen ausgeglichener und zufriedener. Sie erleben, was sie selbst anpacken können, sind viel draußen und haben haptische und sensorische Eindrücke. Ich denke, die Menschen wären friedvoller. Ich würde mir wünschen, dass PolitikerInnen vor Ort unmittelbar erleben, wie Kinder an außerschulischen Lernorten über sich hinauswachsen. Da heraus lassen sich viele gute Entscheidungen fällen.
Text und Interview: Gesa Maschkowski
Links
- Der Verein Schachtelhalm e.V. https://www.schachtelhalm-bioladen.de/wir-%C3%BCber-uns/verein/
- Waldschule Kassel: https://www.waldschule-kassel.de/


