Wenn Bäume ein Gesicht bekommen

Hier entsteht ein Baumgesicht. Foto: Hanna Stanke

Hinter dem gemütlichen Holzhaus mit den weißen Fenstern ganz in der Nähe von Butzbach liegt eine Welt voller Überraschungen.

Baumerkundung mit allen Sinnen

Beim Familientag im Eulenhaus durfte sich jedes Kind seinen Lieblingsbaum aussuchen. Der wurde dann mit allen Sinnen erkundet. Wie sieht er aus, wie fühlt er sich an? Wie ist er gewachsen? Und dann kam die Probe: Kann ich  meine Lieblingsbaum auch mit verbundenen Augen wiedererkennen? Groß war die Freude, wenn es klappte.

Dann haben die Kinder ihre Lieblingsbäume mit Gesichtern aus Naturmaterialien verschönert. Und schließlich wurde jedes Baumwesen der Gruppe vorgestellt. „So wurde allen klar: Jeder Baum ist anders, jeder Baum ist ein Wesen und an sich schon schützenswert, ganz unabhängig von seiner Wirkung für uns Menschen“, sagt Kursleiterin Hanna Stanke.

Was unser Essen mit den Wäldern in Brasilien zu tun hat

Beim Familientag im Eulenhaus ging es um den Zusammenhang zwischen unserem Essen und den Wäldern weltweit. Die Brücke bildete eine Geschichte von dem Volk Guarani in Brasilien. Sie erzählt, wie sich diese Menschen gegen die Abholzung ihres Waldes wehren. Denn sie leben schon seit Jahrtausenden im Amazonas Wald und schützen ihn. Doch ihr Zuhause ist in Gefahr. Die Bäume sollen gefällt werden, damit dort Rinder weiden können. Deswegen haben die Guarani einen Brief an die Weltbevölkerung geschrieben und um Hilfe gebeten.

Die Kinder haben überlegt, was sie selbst für den Erhalt der Wälder tun können. Eine Möglichkeit ist, regional und klimafreundlich zu essen. Denn das ist gut für die Erde und auch die Wälder. Gemeinsam haben die Kinder also mit bunten, regionalen Bio-Lebensmitteln ein leckeres Buffet zubereitet, Pflanzenmilch gemixt und Aufstriche hergestellt. Am Ende stand in ihrem Erdschützer-Tagebuch: „Ich kann kreativ mit Naturmaterialien arbeiten“ und „Ich kann leckeres Essen zubereiten, das gut für die Erde und die Menschen ist“.

Eulenhaus e.V. – Raum und Angebote für Naturerfahrung

Der Verein  Eulenhaus e.V. ist eine regionale Initiative zur Förderung von Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hier können Kinder und Jugendliche Wald und Wiesen kennenlernen und eigene Erfahrungen im Umgang mit der Natur sammeln. Das Angebot ist vielfältig und richtet sich an Schulen, Kindergärten, Vereine und private Gruppen.

Interview mit Hanna Stanke, Kindheits- und Familienpädagogin und Kursleiterin

Was war für Sie ein schöner Moment oder Erfolg in diesem Projekt?

Besonders schön fand ich, wie Eltern und Kinder gemeinsam die bunten Buffets gestaltet haben. Alle haben ihre Aufgaben gefunden: Die Kinder waren begeistert, dass sie etwas mixen oder stampfen durften und sie hatten Spaß daran, die Brote zu dekorieren. Die Eltern haben Gemüse geschnippelt und sich ausgetauscht – für sie war es schön zu sehen, was ihre Kinder schon alles konnten. Und dann am Ende innezuhalten und Danke zu sagen, für alles was da auf dem Tisch steht.

Schön war es natürlich auch draußen in der Natur. Dieser Moment, wenn die Kinder vor den Baumgesichtern stehen und ihre Bäume vorstellen. Das macht eine Verbindung zwischen Baum und Mensch sichtbar.

Über das Projektteam: Was ist Ihre Motivation oder vielleicht auch ihr Erfolgsgeheimnis?

Meine Motivation ist es, Naturverbindung wieder herzustellen und das auch weiter zu denken. Dabei geht es darum, die Lebensrechte aller Lebewesen mitzudenken. Wir wollen eine  Sensibilisierung schaffen und  weg von diesem „wir versuchen uns nachhaltig zu verhalten, weil wir das als Lebensgrundlage brauchen“ hin zu der Haltung: „Wir sind eine Spezies von ganz vielen und alle haben Rechte!“ Dafür die Sensibilisierung zu schaffen, das ist unsere Motivation und ein langer Weg.

Ein Erfolgsgeheimnis ist es, selbst Vorbild sein. Das bedeutet, dass ich selbst die Naturverbindung lebe und zeige: Diese kleinen Schritte, wie ich mein Verhalten mit meinen Werten in Einklang bringe, können die Lebensqualität steigern. Es macht Spaß etwas Neues auszuprobieren. Ein freudvoller Wandel ist möglich.

Wenn viele Menschen diese Idee umsetzen würden, wie sähe die Welt dann aus? Und was bräuchte es dafür?

Gerade gibt es in der Gesellschaft viel Resignation und Hoffnungslosigkeit. Das wird dann auch irgendwann eine selbsterfüllende Prophezeiung – wie ein Teufelskreis, wenn keiner mehr glaubt, dass Wandel möglich ist, dann wird es auch nicht passieren.

Wenn aber jeder mit dieser „Wandelfreude“ angesteckt wäre, dann gäbe es mehr Offenheit, über den Tellerrand zu gucken und auszuprobieren, was möglich ist. Dann stände weniger die Sorge im Vordergrund, sondern der Optimismus: Lasst uns doch mal ausprobieren, was wir zum Positiven beitragen können.

Wie geht es jetzt mit ihrem Projekt weiter?

Die Eltern haben zurückgemeldet, dass sie die Rezepte gut finden und sie auch zu Hause nachmachen. Wir haben den Eltern auch angeboten an einem Videoselbstlernkurs für Familien mitzumachen. Dabei können Eltern mit ihren Kindern gemeinsam eine Erdschützer Ausbildung als Online Kurs absolvieren. Er enthält viele kleine Anregungen, die Eltern mit ihren Kindern umsetzen können.

Text und Interview: Gesa Maschkowski

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Regionales Gemüsebuffet Foto: Hanna Stanke

So sieht ein Wald-Lerntagebuch aus Foto: Hanna Stanke