Mit dem Bildungslastenrad auf Tour

Ann-Marie Weber vom Allmendehof vor ihrem Bildungsmarktstand – Foto: Silke Thom

Wie der Allmende Holzhausen e.V. aus Überschüssen leckere regionale Kostbarkeiten zaubert, Lust auf Vorratshaltung macht und spielend das Verständnis für die Landwirtschaft fördert

„Die Weltmarktpreise für Brotgetreide sind im Keller. Ausgerechnet in diesem Jahr, wo Du besonders  viel davon ausgebracht hast! Geh zurück auf das Feld unterhalb der Leiter“. 

Das steht auf einer Ereigniskarte aus dem Leiterspiel, das Inge Wenzl und Ann-Marie Weber vom Allmende Holzhausen e.V. in diesem Jahr entwickelt haben. Es beschreibt die Situation von drei landwirtschaftlichen Betrieben, die auf unterschiedlichen Böden wirtschaften.

Es gibt aber auch positive Ereigniskarten, zum Beispiel diese: „Beim Ernten lässt Du die Stoppeln der geernteten Frucht (z.B. Getreide) stehen und säst dazwischen ein. So verhinderst Du, dass Dir der Boden durch Wind und Starkregen weggeweht oder weggeschwemmt wird. Gehe die Leiter hoch.

Spielend erfährt man, mit welchen Herausforderungen Höfe kämpfen und wie sie mit guter landwirtschaftlicher Praxis doch noch gewinnen können. Das Leiterspiel ist einer von mehreren Bildungsbausteinen, die Inge Wenzel und Ann-Marie Weber dieses Jahr mit der Förderung durch SEI Hessen entwickelt hat.

Wie aus Überschüssen gut gefüllte Vorratsregale werden

Auf Märkten ist Ann-Marie Weber mit ihrem Bildungslastenrad unterwegs. Das enthält ein kleines Einmachregal und lädt zum Erkunden ein. Welche Einmachmethode ist klimafreundlich? Macht es einen Unterschied ob ich Rohrzucker oder Rübenzucker verwende? Denn durch Haltbarmachen kann man Überschüsse verwerten und Lebensmittelreste aufwerten. Das ist lecker, gesund, schützt die Umwelt und das Klima. Für die Arbeit am Stand hat das Team vom Allmende Holzhausen e.V. ein künstlerisch gestaltetes Büchlein entwickelt. Es enthält Tipps und Tricks fürs fachgerechte Lagern, Solartrocknen, Einlegen und erste Rezepte.

In fünf Workshops konnten Teilnehmende auch praktisch ausprobieren, wie man mit regionalen  Lebensmitteln im Herbst und Winter kocht, wie man Kräutersalz herstellt oder Gutes aus der Region haltbar macht.

Regionale Lebensstile erforschen und fördern

Der Verein Allmende Holzhausen e.V. wurde 2016 als erster Dorfverein in dem kleinen Ort Holzhausen gegründet. Er widmet sich der Erforschung regionaler Lebensstile und dem Pflegnutzen zukunftsfähiger landwirtschaftlicher Systeme. Dazu gehört die Frage, wie man Ernteüberschüsse haltbar machen kann. Im Portfolio sind kreative Bildungsangebote, der Bildungsmarktstand und regionale Events. Der Verein ist in der Klimabildungslandschaft Marburg-Biedenkopf gut vernetzt, Mitglied im BNE-Netzwerk und dem Ernährungsrat Marburg und Umgebung.

Interview mit Ann-Marie Weber, Projektleiterin und Fachkraft für Bildung nachhaltige Entwicklung (BNE)

Was war ein schöner Moment oder Erfolg in diesem Projekt?

Es war schön die Materialien zu entwickeln und dann festzustellen, wie es die Menschen bewegt, berührt und beschäftigt. Es war auch schön zu merken, wie aus unseren Ideen Formate wurden, die funktionieren. Wir haben sie von Grund auf entwickelt und gestaltet, bis es am Ende rund wurde. Das war sehr befriedigend.

Einer der Workshops war Teil eines Teamtags. Da hat ein ganzes Team gemeinsam einen Einmachworkshop gemacht und zwei Tomatensoßen entwickelt. Die essen sie jetzt montags an ihrem Team-Treffen. So gibt es eine Verbindung zu den Produkten in der Region und einem schönen gemeinschaftlichen Erlebnis.

Wenn jemand dieses Projekt nachmachen will, welche Erfahrungen oder Tipps können Sie weitergeben?

Mein Tipp ist: Nie zu wenig Stunden für die Konzeption veranschlagen. Wir haben fast doppelt so viel Zeit gebraucht. Das war in Ordnung, aber nicht unbedingt wirtschaftlich.

Was ist Ihre Motivation oder vielleicht auch ihr Erfolgsgeheimnis?

Alle, die bisher beteiligt waren, sind Teil einer Gruppe, die früher mal zusammen den Holzhäuser Acker bestellt hat. Wir haben eine gemeinsame landwirtschaftliche Praxis. Da gibt es Verlässlichkeit, Freundschaft und das Engagement für die Sache. Wir arbeiten einfach schon sehr lange miteinander und wissen auch wofür.

Wenn viele Menschen diese Idee umsetzen würden, wie sähe die Welt dann aus? Und was bräuchte es dafür?

Wir müssten eine gärtnerische Haltung für den Planeten übernehmen. Dann würde sich um den Garten, auf dem wir leben auch besser gekümmert. Dazu gehört die Einsicht, dass alles um herum gepflegt werden muss, das würde Vieles ändern.

Wie geht es jetzt mit ihrem Projekt weiter?

Ich habe gerade eine Anfrage für einen interkulturellen Austausch mit einer Gruppe aus Uganda. Sie haben dort gar keine Einmachkultur, und möchten etwas darüber lernen. Wir werden zusammen Techniken erproben aber auch überlegen: Wann lohnt sich das Haltbarmachen, was wäre der Gewinn? Und welche Methode ist sinnvoll?

Interview: Gesa Maschkowski

Mehr Infos

www.allmende-holzhausen.de und instagram

Ausschnitt aus dem Leiterspiel © Allmende Holzhausen e.V.

Rezeptblatt aus dem Einmachbuch ©Allmende Holzhausen e.V.