Erstes Netzwerktreffen der hessischen Solawis

Solawi-Netzwerktreffen 25 in Frankfurt. Foto: Simone Ott, Netzwerk solidarische Landwirtschaft

Neuer Mut und gute Gemeinschaft für eine Landwirtschaft mit Zukunft

Sie kamen aus ganz Hessen nach Frankfurt, die Landwirt*innen und Gärtner*innen, die auf ihren Höfen nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi arbeiten. Gastgeberin war die Genossenschaft Kooperative eG. Sie wirtschaftet ebenfalls nach dem Solidarprinzip und liefert ihre Erntekisten an gut 400 Mitglieder in über 25 Depots in und um Frankfurt.

Bei einer Solawi schließt sich eine Verbrauchergemeinschaft mit einem oder mehreren Höfen zusammen. Sie übernimmt die Kosten für den landwirtschaftlichen Betrieb und teilt sich die Ernte, die in der Regel wöchentlich ausgeliefert wird. In Hessen gibt es schon über 20 Höfe, die auf diese Art und Weise wirtschaften. So bekommen auch vielfältige, stadtnahe Gartenbaubetriebe eine Zukunft und die Menschen in der Stadt wieder einen Bezug zur Landwirtschaft vor Ort. Bundesweit gibt es fast 500 Solawi-Höfe.

Die Förderung durch Sei Hessen hat ermöglicht, dass Viele an dem Vernetzungstreffen teilnehmen konnten. Denn auch auf Solawi-Höfen sind Geld und Zeit knapp.

Kollegiale Beratung, Mut und Inspiration

Zwei Tage lang ging es um fachlichen Austausch, Vernetzung und Inspiration. Zum Beispiel in einem Vortrag zur größten solidarischen Landwirtschaft der Welt. Die nennt sich Hansalim-Lebensgenossenschaft und befindet sich in Korea. Das Projekt startete Ende der 80er Jahr als Bürgerinitiative. Mittlerweile haben sich über 2.300 landwirtschaftliche Betriebe in über 130 Erzeugergemeinschaften zusammengeschlossen. Hansalim verteilt die Ernte in Bio-Läden im ganzen Land. Über 70 % des Produktpreises geht an die Landwirt*innen. Davon können deutsche Betriebe nur träumen. Der Genossenschaft gehören mittlerweile über 800.000 Bürger*innen an. Sie setzen sich auch vor Ort dafür ein, die Landwirtschaft wiederzubeleben und übernehmen vielfältige Aufgaben.

Gemeinsam krisensicher in die Zukunft

Ein guter Impuls also, um darüber zu sprechen, wie man auch in Hessen besser kooperieren kann. Wie man sich besser aufstellen kann – auch vor dem Hintergrund aktueller globaler Krisen. Eine Frage, die viele Betriebe umtreibt, ist: Wie kann man die Mitglieder noch besser einbinden, in das, was auf den Höfen geschieht? Denn nach der Corona-Pandemie verzeichnen auch die Solawis schwindende Mitgliederzahlen.

Interview mit Philipp Franke, Hauptverantwortlicher für den Gartenbau bei der Kooperative eG

Er hat das Treffen intensiv vorbereitet und gemeinsam mit Vertreter*innen des bundesweiten Solawi Netzwerks organisiert und umgesetzt. Träger war der Verein Stadt Land Wirtschaft e.V.

Was konnte mit der Förderung ermöglicht werden?

Der Austausch hat allen sehr gutgetan! Denn im gärtnerischen Alltag hat man nur den Blick auf den eigenen Betrieb. Durch so ein Treffen merkt man wieder, dass man nicht allein ist und dass man sich in den Problemlagen der anderen wiederfindet. Am Ende gehen alle bestärkt aus dem Treffen heraus. Das haben sogar Gärtner*innen festgestellt, die aus unserer Nachbarschaft kamen.

Was war für Sie ein schöner Moment oder Erfolg in diesem Projekt?

Ein besonderer Moment war, als die Gäste angekommen sind. Da war sofort eine sehr vertraute Atmosphäre, obwohl sich die Leute nicht kannten. Im Laufe der Tage hat sich das Gemeinschaftsgefühl verstärkt. Es gab auch Fachvorträge zu Genossenschaftsrecht von Personen, die sonst in anderen Kreisen tätig sind. Auch diese Personen haben uns gespiegelt, dass sie die familiäre Atmosphäre bei den Solawi-Treffen sehr schätzen.

Welche Erfahrungen oder Tipps für die Organisation von Netzwerktreffen können Sie weitergeben?

Wichtig ist eine gute Organisation vorab. Wir hatten viele Gesprächsrunden und Calls, in denen wir die Tagesstruktur sehr klar besprochen haben, die Formate definiert haben und überlegt haben, was wie lange dauern soll. Dann gab es eine kleine Vorab-Begehung, bei der wir uns Gedanken darüber gemacht haben, wie wir das hier am besten einrichten. Und es braucht genügend Puffer zwischen den Formaten, auch wenn man immer viel unterbringen will. Aber es ist wichtig, genügend Raum für sonstige Gespräche einzuplanen und auch Raum für Freizeit, Feier und Gespräche am Feuer.

Was ist Ihre Motivation oder vielleicht auch ihr Erfolgsgeheimnis?

Uns geht darum, die kleinstrukturierten Gartenbaubetriebe zu stärken und auch ein alternatives Modell zu entwickeln, das über die familiengeführten Betriebe hinausreicht. Denn viele Betriebe stehen vor großen Herausforderungen. Der Druck auf einzelne Personen ist hoch und sie finden keine Nachfolger. Uns geht es um die Zukunft einer Landwirtschaft, die versucht vielfältig und kleinstrukturiert zu sein und nah bei den Menschen.

Wenn viele Menschen diese Idee umsetzen würden, wie sähe die Welt dann aus? Und was bräuchte es dafür?

Die Welt wäre bunter, die Landschaft würde sich vielfältiger gestalten durch die kleinen Inseln, die überall entstehen. Nach meinem Gefühl würden mehr kleinbäuerliche Betriebe, die den direkten Kontakt mit Menschen in der Stadt aufbauen, auch den Gemeinschaftssinn in unserer Gesellschaft stärken.

Was es dafür braucht, ist eine Offenheit für dieses Konzept und den Mut, unsere Landwirtschaft mitzugestalten. Sich wieder als jemand zu begreifen, der die Fähigkeit hat, zu gestalten, in dem man bei der eigenen Lebensgrundlage anfängt, dem Produzieren von Lebensmitteln und in dem man dieses Wissen pflegt und erhält.

Wie geht es jetzt mit ihrem Projekt weiter?

Das Netzwerktreffen wird auf jeden Fall wieder ausgerichtet. Wir werden versuchen das im jährlichen Rhythmus zu machen. Wir möchten auch noch mehr Menschen erreichen. Obwohl wir uns so zentral befinden, kennt uns kaum jemand in Frankfurt. Nur wenige Menschen wissen mit den Begriff Solawi etwas anzufangen. Daran möchten wir arbeiten. Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig es ist, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten, Gemüse lokal zu produzieren und wie gut es schmeckt.

Text und Interview: Gesa Maschkowski

Links:

Vortrag im Gewächshaus. Foto: Netzwerk solidarische Landwirtschaft