Wer beim Foodtura Festival beim Stand von Stadt Land Wirtschaft e.V. vorbei kam, konnte sich auf eine Überraschung freuen. Denn hier gab es Einsteiger Pakete und Anleitungen für das Black-Box-Gardening.
Beim Blackbox-Gardening bringt man eine bunte Mischung an Saatgut und Pflanzen aus, die sich selbst vermehren können. So entwickelt sich mit wenig Pflegeaufwand eine Auslese an Pflanzen, die an dem ausgewählten Standort gut wachsen können. Das Team von Stadt Land Wirtschaft e.V. hatte vor allem essbare, heimische Kräuter und Salate wie Pimpinelle oder Postelein ins Paket gepackt, aber auch Bienenweide oder Gemüsesorten wie Artischocke.
Vielfältige Starterpakete zum Ausprobieren
Ein Vorteil des Blackbox Gardening ist: Man muss sich selbst keinen Kopf machen, was man am besten anpflanzt, denn die Mischung hat Gärtnerteam zusammengestellt. „Die Meisten fanden das superspannend“, berichtet David Delto, der das Projekt koordiniert. „Viele Menschen, die unseren Stand besuchten, konnten sich vorstellen, irgendwo eine kleine Ecke einzurichten. Denn für unsere Mischung braucht man nicht viel Platz, vielleicht zwei bis drei Quadratmeter“.
Stadt Land Wirtschaft e.V. – für ein Rhein-Main-Gebiet mit nachhaltiger Landwirtschaft
Blackbox Gardening kann also ein perfekter Einstieg für Menschen sein, die Lust auf mehr Nachhaltigkeit und regionale Selbstversorgung haben. Denn genau das hat sich der Verein vorgenommen: Er will im Rhein-Main-Gebiet nachhaltige Landwirtschaft, biologische Vielfalt und resiliente Ernährungssysteme fördern. Dafür bietet er Schulungen, Workshops und Veranstaltungen für Groß und Klein an.
Interview mit David Delto, Koordinator für Community Projekte bei Stadt Land Wirtschaft e.V.
Was war für Sie ein schöner Moment oder Erfolg in diesem Projekt?
Ein schöner Moment war, als mir klar wurde, dass wir mit unserem Stand ein besonderes Bedürfnis der Menschen erfüllen konnte. Bei unser Aktion ging es nicht um Unternehmensbeziehungen, sondern um gemeinsame Werte und die Möglichkeit sie mit Leben zu füllen. Das habe ich erst im Gespräch mit den Besucher*innen gemerkt.
Wenn jemand dieses Projekt nachmachen will, welche Erfahrungen oder Tipps können Sie weitergeben?
Ich würde empfehlen, so eine Aktion mit einem praktischen Workshop zu kombinieren. Das nächste Mal würden wir zeigen, wie man so eine Fläche anlegt, damit die Besucher:innen sehen, worauf man achten muss, idealerweise als Teil des offiziellen Programms.
Über das Projektteam: Was ist Ihre Motivation oder vielleicht auch ihr Erfolgsgeheimnis?
Das Erfolgsgeheimnis von unseren Verein ist, dass wir Orte haben, an denen uns etwas liegt und um die wir uns kümmern. Der Waldgarten, die Streuobstwiese und auch der Raum hier bei der Kooperative eG. Das ist bei städtischen Projekten eine Seltenheit. Es gibt nur noch sehr wenig Gemeinschaftsorte, die ohne Konsumzwang funktionieren.
Und es ist etwas sehr Besonderes, wenn man im Frankfurter Stadtgebiet draußen sein kann mit der Natur und den Pflanzen. Ich merke das auch an den Kindern. Die stellen oft fest: „Das ist so groß hier!“ Aber es ist gar nicht groß. Man kann einfach weiter gucken als in der Stadt, wo der Blick durch Hauswände begrenzt wird.
In den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten hat sich in der Landwirtschaft Vieles in rasantem Tempo verändert. Es gibt kaum mehr Streuobstkulturen. Wer pflanzt noch einen Baum, der 100 Jahre werden soll? So geht das ganze Wissen verloren. Dieser Raum und die Flächen, die wir hier haben, sind daher sehr besonders, auch unsere Gemeinschaftsräume. Es fühlt sich an, wie ein kleines Dorf.
Wenn viele Menschen diese Idee umsetzen würden, wie sähe die Welt dann aus? Und was bräuchte es dafür?
Wenn viele Leute das machen würden, dann würde unsere Welt mehr blühen. Wir hätten eine höhere Biodiversität, mehr Nützlinge, und es wäre ein kleiner Schritt gegen den Verlust unserer ökologischen Stabilität. Das würde schon einen Unterschied machen für die Artenvielfalt, denn das ist eine wichtige planetarische Grenze.
Dafür bräuchte es aber einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Denn man braucht diese Freiräume. Die entstehen nicht so leicht, solange Menschen in drei Jobs hängen und sich abrackern und gar nicht die Möglichkeit haben, an solchen Projekten teilzunehmen oder selbst zu gärtnern. In Frankfurt gibt es viele Welten. Es gibt Millionäre, aber auch viele Obdachlose. Ich weiß, dass diese Gesellschaft reich genug wäre, dass alle etwas Gutes zu essen haben.
Text und Interview: Gesa Maschkowski
Links:
Der Verein Stadt.Land.Wirtschaft e.V. https://diekooperative.de/stadt-land-wirtschaft/
Zum Foodtura Festival https://foodtura-festival.de/

